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Dienstag, 20. Dezember 2016

Der Aufschrei der Woche: Wie Valora an ihren Kiosken Daten sammelt

Wär es nicht ernst es wäre zum Lachen. Da geht die MIGROS über zum Individual Pricing und es scheint nur einige wenige Konsumenten zu interessieren, ausser jenen, die sich ärgern, weil sie mit der neuen Menge Rabattkärtchen nicht zu schlage kommen. Nun wird bekannt, dass die Valora ihre Kunden und Passanten via WLAN ausbaldowert und die halbe Schweiz steht Kopf. Ziemlicher Verhältnisblödsinn.

Immerhin, bei Valora scheint es weniger Schlafmützen zu geben als früher. Vor gut 10 Jahren stellte ich nämlich der Valora im Auftrag von Nokia eine Lösung vor, wie sie ihre Kiosks zu Bluetooth-Hotspots aufrüsten hätten können und derart die Frequenz erhöht hätten. Weil im Hintergrund ein Inhalteportfolio bestehend aus Spielen, Musiktunes usw. bereit gestanden hätte. Ein neues Geschäftsmodell in Ergänzung zu Kaugummi und Printmedien. Aber ich war zu früh und für Nokia zu spät. So läuft das eben in der Digitalen Transformation.

Zum damaligen Zeitpunkt gaben sich die CEOs bei Valora die Türfallen in die Hand. Für Innovation war da kein Platz. Nun erwachen die Detailhändler offensichtlich und versuchen sich auf neuem Gelände. Die Migros mit Big Data und die Valora mit WLAN. Unterdessen haben sich in den USA die Detailhändler etwa fünf Jahre Vorsprung auf die Schweizer aufgebaut. Mit Beacons. (Siehe Glossar: Beacons) Und den Schweizern bläst jetzt der kalte Wind des Einkaufstourismuses und des Onlineshoppings ins Gesicht. Jetzt wird gehandelt.


Folgende Fakten müssen uns zu denken geben. Als Konsumenten und als Bürger.

Die Pioniere im Einsatz von Beacons sind:


Wobei Beacons Unterstützung bieten können. Achten Sie gut darauf, so etwas gibt es in der Schweiz noch nicht. Wir werden uns spätestens in fünf Jahren aber daran gewöhnt haben:




Was die Kunden von solchen In-Store Informationssystemen halten:



Was Kunden erwarten und nachfragen:


Und wie sich Kunden verhalten:




Und schliesslich, warum sich die Detailhändler die Chancen des Einsatzes von Beacons nicht entgehen lassen sollten:



Quellen dieses Blogs: www.motorolasolutions.com; www.rishabhsoft.com; www.marketingtechblog.com; www.chainstorage.com; www.tapcrowd.com: mobisfera.com; www.getelastic.com; www.forbes.com

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Big Data im Marketing

Seit geraumer Zeit spukt in Marketing-Kreisen das Gespenst namens Big Data herum. Wie so oft wenn Buzzwords die Runde machen, weiss jedeR etwas mehr als der oder die andere und auf jeden Fall besser als die/der andere Bescheid. Sturm im Wasserglas also? Ja und nein. Seit letzten Wochenende im Das Magazin ein Artikel erschien, der in einer Reportage aufzeigte, wie eine englische Firma bei der Brexit-Abstimmung und der Trump-Wahl eine Rolle spielte, indem sie Erkenntnisse aus dem Bereich Psychographie, Daten aus der Social Media Wolke und anderen nicht näher bezeichneten Quellen bündelte und daraus Folgerungen zog, um Abstimmungen und Wahlen beeinflussen zu können.

Ob nun diese neue Annäherungsweise in Abstimmungs- und Wahlkämpfern tatsächlich einen entscheidenden Einfluss haben auf das Resultat, wissen wir wissenschaftlich abgesichert (noch) nicht so genau. Das soll in diesem Post aber auch keine weitere Rolle spielen. Ich zeige hier auf, was gegenwärtig im Konsumgütermarketing gespielt wird und wohin die Reise möglicherweise geht. Macht spielt selbstverständlich auch hier eine Rolle, eine anders geartete zwar als in der Politik, doch am Ende des Tages, und nicht wie in der Politik am Ende einer vierjährigen Legislatur, muss die Kasse stimmen.

Dass die Kasse im schnelldrehenden Nahrungs-, Lebensmittel und Kunsumgüterbereich (Fast-Moving Consumer Goods (FMCG), resp. Consumer Packaged Goods (CPG) immer mehr nicht mehr stimmt - wegen der Globaliserung oder anderen Gründen? - zeigt folgende Darstellung aus der CPG-Industrie:
Die Aussage dieser Grafik auf den Punkt gebracht besagt, dass von einem ausgegeben Franken bloss noch 33 Rappen dafür sorgen, dass die Konsumenten zum Zeitpunkt der Promotion auch kaufen, während 67 Rappen wirkungslos im Äther verpuffen.
Warum also diese 67 Rappen noch ausgeben? Unvorstellbar, was geschehen würde, wenn die Procter&Gamblers (Werbeausgaben 2016: 7.2 Mia. $), die Unilever oder Nestlé's diese 67% nicht mehr in die Medien investieren würden. Das abrupte Ende der heute bestehenden Medienwelt stände kurz bevor. Inklusive der meisten Internet-Plattformen, die heute von der Werbung leben.


Ich sehe keine Anzeichen dafür, dass dieser Schritt in absehbarer Zeit vollzogen würde. Doch was ich sehe, weil ich es weiss, ist die Tatsache, dass die werbestärkste Industrie angefangen hat, diese 67 Rappen zu hinterfragen und Lösungen sucht, die Promotion wieder effizienter zu machen. Das wird mit Sicherheit zu Umschichtungen der Werbemittel führen. In diesem Sinne müssen sich die Medienunternehmen und Webplattformen, die weiterhin auf Werbeeinkünfte angewiesen sind, sehr, sehr warm anzuziehen.

Was geschieht "hinter den Kulissen"? Was geschieht auf Unternehmens- und Marketing strategischer Ebene? Folgende Darstellung soll die Energien im Thema Big Data aufzeigen und zum Denken anregen. Die Daten stammen aus seriösen Quellen, die hier leider nicht offen gelegt werden können. Es geht mir auch weniger darum, Werbung für eine bestimmte Firma zu machen oder eine bestimmte Lösung, sondern eben darum die Dimensionen und die sich im Gange befindliche Bewegung transparent zu machen.



Wir bleiben in der CPG Industrie und vergegenwärtigen uns deren Wertschöpfungskette. Sie besteht aus dem Kunden, dem Detailhändler, dem Grosshändler, dem Produzenten und dessen Zulieferer. Zwischen diesen Akteuren entstehen reichlich Informationen und Daten, die nicht naturgegeben allen Akteuren zur Verfügung stehen. Dies führt zu dem sog. Peitscheneffekt und daraus folgend zu erheblichen Kosten, resp. Verlusten. Hier setzt Big Data an und versucht die Effizienz zu erhöhen und dem unerwünschten und bisher nicht auszuweichenden Peitscheneffekt entgegen zu wirken. Indem eben die Daten zusammengeführt, angereichert und analysiert werden.




Eine Ursache des pPeitscheneffekts ist die Unwägbarkeit der Wirkung von Promotionen. Markt und Kunde lassen sich nicht und immer weniger steuern. Das heisst nicht, dass weniger konsumiert würde, sondern dass nicht in allen Fällen voraussehbar konsumiert wird. Zudem weiss der Produzent nicht immer rechtzeitig, wann der Retailer eine Promotion fährt und wenn er eine lanciert, weiss er nicht, wie sich die Nachfrage entwickeln wird. Das weiss auch der Retailer nicht, weshalb er sein Lager knapp hält, um dann rasch bei anziehender Nachfrage nachbestellt. Dies wiederum irritiert die nachfolgenden Positionen, die dann zu irrationalen Entscheidungen führt. Wird die Promotion durch Big Data nachvollziehbarer, verbessert sich die dahinter liegende Planung entsprechend. Zudem verspricht man sich weitere Erkenntnisse über Kunde, Märkte und Produktion.


Eine weiterer Effekt, der sich mehr und mehr zu einem grossen Problem entwickelt zu haben scheint, ist ein zu beobachtendes steigendes Preisbewusstsein der Kunden.
Mit Erfolg haben namentlich die Detailhändler die Kundschaft an regelmässige Discounts gewöhnt. Kluge Konsumenten decken sich jeweils reichlich ein, wenn zum Beispiel das Mineralwasser in Aktion zu haben ist. Innert Kürze wird das Lager des Anbieters geleert und der Lagerbestand der anderen Brands bleibt stehen. Entsprechend hart schlägt dann der Peitscheneffekt bei den anderen zu und zwingt sie zu entsprechenden Preisnachlässen. 



Wie also wird in dieser Industrie vorgegangen? Die Darstellung zeigt, dass Daten ab den 90er Jahren bereits eine Rolle spielten. Sicher gab es schon zuvor Daten, doch wurde damit im Sinne des Marketings auf Grund fehlender Instrumente wenig bis nichts angefangen. Doch dann begann der Prozess der unkoordinierten Datensammlungen an allen Ecken und Enden. In den Nullerjahren wuchs dann das Bewusstsein, die innerbetrieblichen Daten zu strukturieren und zu zentralisieren. Daraus wurden für das operative Geschäft Erkenntnisse gezogen. Effizient- und Produktionssteigerungen waren die Folge. Ab 2010 begann man die Daten quasi innerbetrieblich zu "kreuzen" und in dialektischer Weise Erkenntnisse zu gewinnen. Advanced Analytics wurde zur Praxis, die nun zu Predictive Analytics ausgeweitet werden soll. Vorausschauende Analyse soll helfen die Bewegungen der Märkte besser zu verstehen, sie zu antizipieren und in Zusammenarbeiten in der Wertschöpfungskette wirksam werden zu lassen.


So wie man zuerst intern die Daten mit internen Daten angereichert hat, sollen jetzt externe, unstrukturierte Daten gesammelt, zusammengebracht und analysiert werden. Diese Grafik macht deutlich, dass Big Data bloss eine Worthülse ist für etwas, was nun doch schon eine Weile praktiziert und immer besser verstanden wird.


Ziel ist und bleibt es, den Return of Invest bei Promotionen zu verbessern. Dafür sind viele Daten nötig. Schliesslich ist das Ziel den Kunden besser zu verstehen im Zentrum des Interesses. Und wenn der Kunde bereitwillig seine intimsten Daten der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt, wäre es weitgehend unverständlich, wenn man sie nicht auch sammelt. Zumal sie jeder der will sie sammeln kann. Niemand, kein Staat, kein Gesetz kann das verbieten.




So haben sich vor allem grosse Unternehmen aufgemacht und bedienen sich neuer Technologien, neuer Software und neuen Quellen, um den Forecast-Verlauf zu perfektionieren.

Nun ist das so leicht gesagt und die Zielsetzung scheint logisch. Die Konsequenzen auf Seiten Unternehmensorganisation alles andere als simple. Die vier Komplexe zeigen die Herausforderungen an die Firmen. Kaum eine besitzt heute oder seit Längerem ein Big Data Management. Gilt es aufzubauen. Die Komplexität der Technologien wird noch nicht beherrscht. Spezialisten, die grossen Datenmengen mit gescheite Konzepte entgegen treten können, haben Seltenheitswert und müssen zuerst aufgebaut werden. Nach Talenten wird gesucht. Neue Berufsfelder werden definiert, Wachstum darin ist angesagt. Und schliesslich sind die meisten Unternehmenskulturen immer noch der analogen Weltsicht verpflichtet, können sich Althergebrachtes nicht einfach entledigen, und es herrschen Zweifel und Furcht, sich mit neuen Unternehmenskonzepten zu beschäftigen oder sich sie einzuverleiben.

Hier wird ein bimodales Betriebsmodell vorgestellt, dass zum Ziel hat, Big Data für ein Unternehmen verfügbar zu machen.




Gerade Schweizer Unternehmen tun sich oft schwer, neues zu entdecken. Diese Darstellung zeigt, in welchen Bereichen Neues entdeckt werden könnte und wohl auch müsste. 




Big Data, das war zu befürchten, ist mehr als eine Worthülse. Big Data wird die Unternehmen, die Wirtschaft und die Politik verändern. Es kann niemand den Staat oder seine Verwaltung daran hindern, der Big Data Entwicklung offen entgegen zu gehen und davon zu profitieren. Das wird nicht geschehen. Bereits in den 1960er Jahren wurde die SAS von der amerikanischen Regierung gegründet und damit beauftragt, Daten für eine bessere Landwirtschaft zu sammeln und der Landwirtschaft aus den Daten Erkenntnisse zu liefern. SAS ist heute einer der grössten Anbieter von Werkzeugen zur Datenanalyse. Die Firma ist ein Treiber der Entwicklung und hat alles Interesse daran, dass das Datenanalyse einen Level erreicht. Sie wird also dafür sorgen, dass das Wissen dafür vergemeinschaftet wird und Big Data die Landschaft verändert.

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Wenn es dreimal klingelt ist es nicht der Milchmann, sondern der Pizzamann, der das Headset bringt!

Endlich herrscht Wettbewerb in der Schweiz. Dank eCommerce und Online Handel. Noch letzte Woche hatten die Siroop-Leute ein müdes Lächeln für meine Forderung nach dem Same-Day-Delivery-Service. Ich schätze die Lage so ein, dass das nicht in allzu ferner Zeit der Match entscheidende Vorteil ist.


Siroop macht aber genau das Gegenteil. Ich bestellte am 25. November einen regelrechtem Warenkorb bestehend aus zwei Flaschen Portwein, zwei DVD's und zwei kabellose Headsets. Das sind bei Siroop vier verschiedene Lieferanten. Die erste DVD war am nächsten Tag bereits im Briefkasten. Der Portwein erreichte mich gestern. 5 Tage Lieferzeit für einen Lagerartikel. Naja. Heute erreicht mich die Email, dass die beiden Headsets nicht lieferbar seien wegen Lieferschwierigkeiten des Lieferanten. Ich entschied mich für das Produkt nach Preisvergleich und wunderte mich noch, wie billig Siroop das anbieten konnte. Nun ja, ich habe sechs Tage verloren und muss jetzt anderswo Ersatz suchen. Siroop aber muss versuchen solche Täuschungen zu verhindern. Wenn ihr Lieferant bloss einen Markttest macht oder Adressen auf diesem Weg sucht, dann finde ich das zumindest nicht okay. Also ran an die Hausaufgaben.

Achtung fertig, STEG!


Meine Headsets will ich jetzt bei STEG kaufen, oder zumindest versuchen zu bestellen. Warum STEG? 


STEG hat sich an die Spitze aller Haushaltelektronik-Lieferanten gesetzt und verspricht nicht bloss Same-Day-Delivery, sondern eine Lieferzeit von bis zu weniger als 3 Stunden am selben Tag. Letzte Bestellung vor 17 Uhr plus Zuschlag von 9.50 CHF und ich habe die gewünschte zwei Headsets noch heute Abend vor 21 Uhr. So zumindest das Versprechen.

Gesagt getan. Ich habe 16:59 h tatsächlich bestellt. Allerdings fand ich meine gewünschten kabellosen Headsets der Qualität Sennheiser, Bose oder Beats nicht.  Das Angebot kabelloser Headsets ist eher dürftig. Schade.

Dafür habe ich jetzt testeshalber ein Bluetooth Headset der Marke Plantronics Voyager Legend bestellt. Das ist bei weitem nicht ein Ersatz für einen Beats-Kopfhörer, sondern ein Bluetooth Kopfhörer zum telefonieren. In meinem Haushalt gibt es eine Bewohnerin, die liebend gerne stundenlang in alle Welt "kabelt". Ein kleines Weihnachtsgeschenk zum Preis von 84.90 statt 99.90 plus 9.50 Expresszuschlag.



Wenn die Lieferung nicht klappt, dann fällt meine Aufmerksamkeit zurück auf den Bestellprozess bei STEG. Der ist kühn. Ich musste mich erst gar nicht einloggen und ellenlange Tabellen ausfüllen, sondern konnte gleich die Ware suchen und in den Warenkorb legen. Nach der Zahlung per PostCard erhielt ich postwendend meine neuen Login-Daten. So etwas habe ich noch nie erlebt. Toll! Das ist Easy-Zugang! Nicht lange fackeln, den Kunden sofort kaufen lassen, auch wenn er gar nicht findet was er will. Weil ich mit wenig Klicks am Ziel war und vorher nicht administrativ gebremst, sprich meine Geduld nicht mit Nonsens strapaziert wurde, kam es zu einem Spontankauf. Sehr geschickt, liebe STEG-Leute.


17:19 h erhielt ich diese Bestätigungsmail, dass die Ware dem Kurier übergeben wurde. Ich wurde darauf hingewiesen, dafür zu sorgen, dass die Ware entgegen genommen werden kann. Werde ich natürlich tun, obwohl ich gerne wissen würde, was geschähe, wenn dem so nicht wäre. Gäbe es morgen einen neuen Anlieferversuch oder würde die Ware an STEG retourniert? 

Ich will es nicht herausfinden und warte jetzt auf das dreimal Klingeln des Pizzakuriers, der das Teil frisch anliefern wird.



Nachtrag 1. Dezember 2016
Um 21:17 h setzte ich eine Mail ab an die Firma STEG, dass die Ware nicht geliefert wurde. 
Ich checkte etwa fünfmal den Briefkasten. Statt des Headset's fand ich die zweite DVD aus der Bestellung an Siroop. Lieferant war das nicht eben kleine Buch und Medienhaus Lüthy und Stocker aus Solothurn. Sechs Tage Lieferzeit von Solothurn nach Biel ist nicht fein. Da muss einer den Weg zu Fuss gemacht haben.

Nachtrag 3. Dezember 2016
Gestern nach 10:00 h rief jemand meine Frau an - ich musste das Haus verlassen und konnte nicht länger warten - und fragte nach, ob jemand zu Hause sei. Sie wusste selbstverständlich nichts von meinem Testlauf. Kurz nach 11 Uhr lieferte ein sich nicht identifizierender Mann das Headset in einer STEG-Tragtasche. Wir haben Zweifel, dass es der Pizzamann war. Vermutlich musste ein STEG-Mitarbeiter selber die Lieferung ausführen.

Fazit: Es ist einfacher, eine Medienkampagne zu fahren als die Prozesse so zu organisieren, dass das abgegebene Versprechen auch gehalten wird. Mich interessiert jetzt noch, was STEG zu meiner Erfahrung sagen wird und ob ich die CHF 9.50 für den Express-Service wieder zurück erhalte.

Montag, 21. November 2016

Speakup - eine alternative ChatApp


Die Startup.ch Webseite
Eigentlich ist diese Chat-App nicht für die breite Öffentlichkeit konzipiert, sondern für den Universitätsbetrieb. Ziel der App ist es, die Diskussion einer Modul-Klasse zu ermöglichen und zu befördern.

Die StartUp WebApp
Studierende können Fragen an den Dozenten stellen und somit natürlich auch an die Klasse und sie können Dozentenfragen an die Klasse beantworten. Zudem können Studierende Fragen die von Studierenden im Backchannel gestellt werden gewichtet werden. So hat der Dozierende schnell einen Überblick über die brennendsten Fragen.

Zur Aktivierung des Publikums werden neuerdings sog. Klickerfragen gestellt. Die Universität Zürich betreibt dazu ebenfalls eine WebSeite mit der entsprechenden App. Hier wird das Ganze Instant-Respond-Class-System genannt. Der Dozent stellt der Klasse eine Frage mit möglichen Antworten. Die Klasse antwortet und augenblicklich wird das Resultat an die Wand projiziert. Damit soll die Zeit vorbei sein in der Dozierende Fragen stellt und niemand getraut sich das eis zu brechen.
iPhone Screen

Der Vorteil bei StartUp ist, dass alles völlig anonym abgewickelt wird. Niemand muss sich also für eine allfällig unvollständige oder falsche Antwort schämen. (Was ja eigentlich in einer gut geführten Vorlesung eh nie der Fall sein sollte...).

StartUp wird als wirkungsvolles Instrument gepriesen, um Studierende auch während der
Vorlesungen gezielt zu aktivieren und dabei einen guten Überblick zu haben, was verstanden wurde.

Tipp: StartUp eignet sich nach meinem Dafürhalten auch für ausserhalb des Unterrichts bei Wahrung grösstmöglicher Datensicherheit als Gruppenchat.

UPC und die Notwendigkeit einer Content Marketing Strategie

Durch einen Blogbeitrag eines Studenten im Rahmen meiner Digital-Marketing-Vorlesungen wurde ich auf eine Problematik der heutigen Kommunikation aufmerksam gemacht.

Der Student dekonstruiert mit Leichtigkeit die Kommunikationsmassnahmen im Bereich Spots von UPC und macht klar, wie unklar die Kundenansprache und die richtige Botschaft von UPC geworden ist. Durch einen quasi historischen Vergleich aller bekannten und immer noch zugänglichen Spots. Diese sind ohne viel Aufwand nach wie vor zu finden (Das Internet vergisst nichts...)

Nach Carlos Real, Schauspieler, Stefanie Berger, Standup Comedian, ist jetzt Michelle Hunziker darum bemüht, das Publikum von UPC richtig anzusprechen und für das Haus UPC zu gewinnen.

In der Tat, der Spot ist bemühend, die Präsentation Hunzikers eher peinlich und das technische Resultat des Spots etwa so gut wie die Leistungsqualität von UPC. (Ich kann es subjektiv beurteilen, ich bin (noch) Kunde der Firma.) Ist das die eigentliche Botschaft? Das man gegen die neue TV-Übermacht der Swisscom als Überflieger nicht gewinnen kann?

Wie der Student richtig beobachtet, sinkt das inhaltliche Niveau der UPC-Spots sukzessive bis hinunter zur Frage: Warum hoppelt die Hunziker, die doch auch schon ins Alter gekommen ist, wie ein gerupftes Huhn mitten durch eine Party? Was überhaupt hat Party mit passivem "Fern sehen" zu tun oder mit Surfen im Internet? Es ist wirklich interessanter, sich auf YouTube das Making of zu diesem Spot anzuschauen - man sieht eine ausser Übung geratene und deshalb auch ausser Atem gekommene Hunziker - als den Spot bei der TV-Unterbrecherwerbung, die nur mit erheblichem Humor-Aufgebot zu ertragen ist.
Aus Digitaler Marketingsicht ist das Vorgehen von UPC eine einzige Katastrophe. Die Macher müssen sich heute einfach im Klaren sein, dass eine Werbegeschichte eines Unternehmens heute rezipiert wird wie eine TV-Serie.

Dass UPC offensichtlich über keine Content Marketing Strategie verfügt und nichts zueinander passt, kann man auch dem YouTube-Kanal ablesen. Ein Sammelsurium von Einzelbeiträgen, die weder eine Linie noch ein Konzept erkennen lassen.

Nun argumentiert der CEO, dass ein Rebranding von UPC Cablecom notwendig war, weil der Kundendienst den Ruf der Firma schwer beschädigt hatte. Nun reicht es ja nicht, einfach den belastenden Namensteil zu entfernen, ohne den ganzen Rest, inklusive die Inhalte, entsprechend aufzubereiten. Kommt noch dazu, dass auch die Produkte, das Sortiment, das Angebot schlechthin Schritt halten muss, die Preise sowieso und schliesslich auch die Positionierung. Was ist zum Beispiel die Botschaft für die Bieler Stadtbewohner? Soll man jetzt zur Swisscom wechseln, weil die nun doch schneller als erwartet das Glasfaserkabel verlegt?

Wie man sich eine Content Marketingstrategie gibt und wie man Content Marketing betreibt, erkläre ich hier und hier. Es wird nun doch allmählich Zeit, dass die Schweizer Unternehmen begreifen, dass sie neben ihren Kernkompetenzen nun mal auch Medienunternehmen geworden sind. Also sollen sich diese auch als solche am Markt verhalten.

Freitag, 11. November 2016

WebSummit 2016 Lissabon - eine erste Bilanz


Vor sechs Jahren fand zum ersten Mal ein WebSummit in Dublin mit 400 Teilnehmenden statt. Rasch entwickelte sich der Event und stiess binnen fünf Jahren an die Grenzen der Stadt Dublin. Mehr war nicht möglich also suchten die Organisatoren eine andere europäische Stadt und entschieden sich schliesslich für Lissabon. Über 53'000 Teilnehmende aus über 130 Ländern folgten dem Ruf und überfluteten für vier Tage die Stadt am Tejo mit seinen etwas mehr als 500'000 Einwohnern. Ds Davos der Geeks, schrieb ein Medium. In der Tat.

Man kann im Rahmen eines Posts einer solchen gigantesken Veranstaltung nicht gerecht werden. Zu viele Eindrücke, zu viele Menschen, zu viele Startups und zu viele neue Webideen überfluteten den Besucher.

Die Bilder zeigen ein paar Impressionen von Startups, die um Investoren-Aufmerksamkeit kämpften. es gab kaum ein Bereich für den es keine Idee gab. Disruptive Konzepte allerdings waren keine zu entdecken. Oder verbargen sich diese in abstrakten Umschreibungen, um die Konkurrenz nicht zu stimulieren. In wenigen Monaten oder Jahre wird man das dann wissen.

Neben der Startup-Kompetition gab es auch zahlreiche Konferenzen. Ein Thema das besonders herausstach war die Frage nach der Zukunft des Films.


Hier sei besonders erwähnt: The field trip to the Mars. Ein Experiment der Firma Framstore, die sich mit Virtueller Realität beschäftigt. Und beim kommenden Blockbuster The Beasts and where to find them eine wesentliche Rolle bei der Kreation der Filmtricks gespielt haben.

Auf VR macht nun auch YouTube mit der Lancierung einer neuen App.

Auch das Thema Augmented Reality war gut vertreten und wurde zahlreich behandelt. 
Mehr Reflektion zum WebSummit folgt auf diesem Blog in Bälde.


Dienstag, 1. November 2016

Lauterkeit der digitalen Werbung bei Nahrungsmittel - ein Fallbeispiel

Eines ist sicher, der Verlust der traditionellen Medien hat auch seine Nachteile. Als sich das Geschäftsmodell Tageszeitung/Werbeauftraggeber noch in idyllischen Gefilden abspielte, bildete die Anzeigenabteilung des Verlags noch so etwas wie ein Gewissen. Jedes vorgelegte Inserat wurde nicht angenommen und zurückgewiesen. Ein minimales Mass an Redlichkeit wurde damals gelebt. Eine gewisse Selbstregulierung funktionierte, ohne das der Staat einschreiten musste. Redlichkeit in der Werbung ist zumindest in der Schweiz nicht gesetzlich geregelt. Sie wird von einer Stiftung, der  Schweizerischen Lauterkeitskommission garantiert. Sie ist Anlaufstelle für Beschwerden.

Demgegenüber lässt das Internet heute viel mehr zu als es früher möglich war. Eine effektive Kontrolle gibt es nicht. Wird unlauter geworben auf dem Gebiet der Schweiz und es ist nachweisbar, dass die Webseite auf einem Schweizer Server liegt, dann kann man dagegen Beschwerde führen als wäre es ein Inserat geworden. Nur was, wenn die Werbung aus dem Ausland in der Schweiz verbreitet wird. Zum Beispiel via Facebook via eines Links auf eine "anstössige" Webseite?

Folgendes Erlebnis und die Reflektion darüber geht dieser Frage nach.

Per Zufall entdeckte ich bei COOP in der Teigwaren-Abteilung, auf einem der obersten Regale - dort wo in der Regel die teureren Produkte angeboten werden - drei neue Teigwaren-Produkte. Aufgefallen sind sie mir, weil ein VEGAN-Kleber am Gestell angebracht war, genau auf meiner Augenhöhe. Ich schaute mir die Ware an, die aus dem Haus Edamama stammt und entschied mich, sehr neugierig geworden, für die Variante Soyabean-Nudeln. Vielleicht muss ich noch anfügen, dass ich ein Spaghetti-Fan bin, der aus gesundheitlichen Gründen den Hartweizen-Produkten entsagen muss. Jede Form von alternativen Teigwaren ziehen mich magisch an. So auch die Edamama. Es entwickelte sich entsprechend vom Gestell bis nach Hause am Kochherd ein positives Vorurteil.
So kochte ich also eine Tomatensauce, während die Soyanudeln vor sich hin garte. In der Tat, die Sauce schmeckte wie gewohnt vorzüglich, die Nudeln allerdings nach nichts. Die Konsistenz war interessant, ich kochte sie auf den Punkt und ich hatte etwas zu beissen.
Das positive Vorurteil schwächte sich ab und das Preisargument gewann an Bedeutung. Immerhin kosten 200 g CHF 5.90. 500 g Barilla Spaghetti kosten bei COOP CHF 2.70. Die etwas billigeren - aber besseren Rummo Spaghetti kosten bei COOP CHF 2.30 die 500 g.
Edamama-Soyanudeln sind also sieben Mal teurer als Rummo Spaghetti.

Damit wäre also die Sache mit Edamama für mich gegessen gewesen.

Nun geschehen heute Zeichen und Wunder. Aus welchen Gründen auch immer präsentierte mir Facebook kurz darauf eine Werbung, die meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Genauso etwa wie vorher am Teigwaren-Gestell von COOP. Es ging um Nudeln. Um schwarze Nudeln. Absender der Werbung ein sog. Gesundheits-Newsticker. Empfohlen von einem FB-Freund, der sich professionell um Nahrungsmittel kümmert. 
By the way: Ich habe zu diesem Zeitpunkt weder etwas zum Thema Nudeln gesucht noch habe ich irgendwelche Nudeln online bezogen.

Nun gut, ich klickte auf "Mehr dazu" und wurde auf eine Seite ausserhalb von Facebook geleitet und zwar auf den folgenden Artikel.




Im Wesentlichen preist diese Geschichte die Produkte von Edamama ohne Anspruch auf journalistische Distanz zum Kauf an.
Kein kritischer Ton, keine Fakten zum Produkt und woher die Grundstoffe herkommen, wie seriös die Bio-Zertifizierung ist.

Dafür aber die Verheissung, dass man genau mit diesen einen Nudeln Gewicht verlieren kann. Das wird dann auch schon im Titel dramatisiert und der ganze Artikel dreht sich um das grosse Versprechen an alle, die Teigwaren mögen, aber nicht dürfen.

Ich staunte etwas über die Sache, aber im Unterbewussten blieb sie mir dann auch hängen.

Denn als ich das nächste Mal am COOP-Gestell stand, wollte ich diese grünen Edamame-Nudeln kaufen. Denn man nimmt ja dabei ab und die sind sicher besser als die orangen Nudeln, die ich vorher gekocht und gegessen habe.
Man muss auch noch wissen, dass Edamame-Bohnen auch nichts anderes sind als unreife Soyabohnen.

Nun, an diesem Samstag waren die Edamma Edamame-Nudeln ausverkauft. Auch am nächsten Samstag und am übernächsten. Erst als ich nach dem Feierabend nur wegen dieser Nudeln bei COOP vorbei ging, fand ich noch zwei Packungen vor. So kaufte ich eine und ging sie sofort zubereiten.

Diesmal schwenkte ich sie bloss in etwas Butter (sic!) und streute etwas Käse darüber. Und Überraschung, auch diese Sorte schmeckte nach nichts, hatte aber auch die nicht unangenehme Beissfestigkeit.
 Und noch etwas hatte sie gemein mit den schwarzen Nudeln von vorher. Beide Nudeln verursachten bei mir unangenehm heftige Blähungen. Das ist sonderbar, denn normalerweise reagiere ich auf Bohnen nicht. 

Diese Geschichte erzählte ich den Studierenden meiner Vorlesungen zum Thema Digital Marketing. Absicht war, den zukünftigen Lebensmitteltechnologen und Agronomen aufzuzeigen, wie heute für Lebensmittel im Internet geworben wird. So hiess ich sie über Edamama nachzuforschen und herauszufinden, wer hinter diesem Produkt steht, wo es hergestellt wird und überhaupt was hinter der Geschichte steckt. Hier sind die vier Blog-Beiträge aus dem Auftrag: Heureka, Secret Life of HAFL, About Food & Culture und Digital Marketing News & Facts.

Die Studierenden fanden eine positive Annäherung an die Produkte der Firma Edamama. Sie fanden aber den obigen Artikel nicht, immerhin aber, dass mit der Edamame-Bohne ganz generell geworben wird, dass mit diesem Nahrungsmittel Gewicht verloren werden kann. Studien, die das beweisen, ist man mir bisher schuldig geblieben. Die zu beschaffen, falls es sie gibt, überlasse ich den Spezialisten. Ich selber wende mich der Frage zu, die ich im Titel zu diesem Post aufgeworfen habe: Handelt die Firma Edamama ethisch korrekt oder muss man ihr unlautere Werbung vorwerfen? Darf man solche "Gefälligkeiten" wie sie hier vorliegen für seriöse Produkte einsetzen, um das Produkt bekannt zu machen und wie in diesem Fall speziell an Frauen zu richten, die ihre überschüssigen Pfunde noch so gerne loslassen wollen?


Zuerst einmal betrachtete ich die drei Verpackung der Edamama-Nudeln. Mir fiel der Einführungstext auf der Rückseite auf. Nicht nur, dass sich die Verpackungen bloss durch die Farbgebung unterscheiden und die Angaben zu den Nährwerten, es steht auch dreimal derselbe Text zur Herkunft der doch sehr unterschiedlichen Bohnen. Es wird suggeriert, dass das Produkt aus der Mongolei stammt. Die Mongolei ist bei uns positiv konnotiert. Aus unserer Sicht ein unberührtes Land, in dem das natürliche Leben noch intakt ist.

Bei jeder sich bietenden Gelegenheit wird auf der Verpackung und auf der Webseite auf Bio hingewiesen. Die Ikonisierung der Informationen wie glutenfrei oder organisch-vegan suggeriert zusätzliche Label's. Doch es gibt nur einen einzigen Hinweis auf eine offizielle Zertifizierung und zwar die EU-Bio-Zertifizierung, die viel weniger streng ist als etwa das Schweizer Bio-Suisse-Label. Dieses wird von der WWF als ausgezeichnet bewertet, während das EU-Bio-Label als "bedingt empfehlenswert" qualifiziert ist. Was das Logo Bio mit den Bohnen oberhalb des EU-Logos darstellt oder ob das ein Label von irgendwoher ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Auf jeden Fall will man hier eine Botschaft übermitteln und Seriosität darstellen. Bei mir löst das spätestens an dieser Stelle tiefes Misstrauen aus.

Nun will ich wissen, wer die drei smarten Herren auf dem Bild in dem umstrittenen PR-

Artikel sind. Auf der Homepage von Edamama werde ich nicht fündig. Auf der ganzen Webseite ist kein einziger Name zu finden. Warum diese Intransparenz? Warum muss man sich hier wo es eigentlich drauf ankommt verstecken?

In Deutschland wäre dies nicht statthaft. Hier müssten zwei Personen als verantwortlich zeichnende Geschäftsleitende unter dem Impressum zu finden sein. Warum gilt dieser Grundsatz in der Schweiz nicht?

Immerhin ist die Handelsregisternummer ersichtlich und so mache ich mich im Handelsregister schlau. Und hier werde ich dann auch fündig:

Ich hefte mich an die Spur von Fabio Matticoli, den Verwaltungsratspräsidenten und Co-Gründer von Edamama. Auf LinkedIn sehe ich seine Laufbahn und lerne, dass der rührige und gut vernetzte Matticoli nichts mit Nahrungsmittel am Hut hatte bevor er sich bei Edamama engagierte. Dafür scheint er einige Erfahrungen zu haben im Aufbau von Online-Marktplätzen. Das Rüstzeug für Markenführung scheint er sich bei Richterich und Partner im Zürcher Seefeld geholt zu haben.
Auf Cash.ch finde ich dann ein Interview mit Matticoli (Abgeruft am 3. November 2016). Hier werden viele Fragen beantwortet, die bei mir inzwischen entstanden sind.

Eine erste Kernaussage zum Beispiel:
"Die Marke Edamama besetzt bis in zwei Jahren einen Nischenmarkt in der Region Deutschland, Österreich und Schweiz. Zudem wollen wir zwei bis drei weitere Food-Brands lancieren. Auch da wird es wieder um effizienten Import und kreative Vermarktung gehen."
Hier erkennt der geneigte Leser die Haltung des Unternehmers. Es geht ihm mehr um Effizienz und kreative Vermarktung als um ein seriöses, Zweifel freies Produkt. In der Tat ist der ganze Auftritt, die Webseite und die Verpackung hochprofessionell. 

Eine weitere Kernaussage:
"Die Bohnen werden auf der nährstoffreichen Schwarzerde der Mongolei angepflanzt, und der herstellende Betrieb in China ist bio-zertifiziert. Zudem importieren wir umweltschonend per Schiff."
Konsequent hält sich Matticoli an die einstudierte Geschichte rund um die Edamama-Nudeln. Interessanterweise gibt er den Namen des herstellenden Betriebs in China nicht bekannt. So kann man auch nicht überprüfen, welches Bio-Label dieser Betrieb sein eigen nennt Matticoli verrät uns das nicht. Mein Misstrauen dem Produkt gegenüber wird nicht zerstreut. Auch wenn die Nudeln "umweltschonend" von China in die Schweiz transportiert wird, so bleibt es aus meiner Sicht pervers, "Bio-Bohnen" aus der Mongolei in China verarbeiten zu lassen und in die Schweiz zu importieren. Bohnen mit Bio-Suisse-Label wachsen nämlich auch in der Schweiz. Bio heisst ja nicht bloss weniger Gift in den Boden zu pumpen, sondern ganz generell schonend und nachhaltig zu produzieren. Der lange Transportweg und die intransparente Herstellung in China macht die Bemühung um die Aufzucht der Bohnen nichtig.

Nächstes Zitat:
"Wenn es den Leuten wirtschaftlich schlechter geht, ziehen sie günstige Lebensmittel biologischem Superfood vor. Direkte Auswirkungen auf unseren Geschäftsgang hat nebst dem auch der Wechselkurs Franken-Dollar, da wir unseren Produzenten in Dollar bezahlen."
Hier führt Matticoli den Begriff "Superfood" ein. Für simple Sojabohnen. Der Wortregelung dient   hier eigentlich nur dem einen: den Preis für simple Nudeln nach oben zu treiben. So wundert es denn auch nicht, dass die 2014 gegründete Firma Edamama bereits nach eineinhalb Jahren schwarze Zahlen schreibt, wie Matticoli freimütig und stolz im Interview erzählt. Geld scheffeln mit völlig überteuerten Nudeln, dank falschen Heilslehren an Menschen verkauft, die mit "Superfood" zum Normalgewicht finden wollen und leider jedem Scharlatan auf den Leim gehen.

Von COOP und GLOBUS würde ich etwas mehr Seriosität erwarten und bei Sun Store, meine mir von der Krankenkasse aufgezwungene Apotheken-Kette werde ich vorstellig werden. Denn folgender Banner findet sich auf der Edamama-Homepage:







Montag, 24. Oktober 2016

Individual Pricing vs. Predictive Pricing

Die reale Welt lernt immer mehr von den Internet-Geschäftsmodellen. Predictive Pricing und Individual Pricing auf der Basis von Analysen von Kundenverhalten sind Innovationen von Amazon, Reiseplattformen wie Fluggesellschaften und AirBnB.

Nun geht die MIGROS über zur individuellen Bepreisung gewisser Produkte aufgrund ihrer Datenanalysen aus der Cumulus-Datensammlung. Das ruft nun dieselbe Kritik hervor wie bei einem entsprechend ähnlichen Versuch der COOP, die von solchem Verhalten abrücken musste. Vorläufig. Nun geht die MIGROS in den Lead und versucht ihr Glück.


DIE NZZ titelt Click-Bait-mässig: Die Reichen bezahlen mehr! 20 Minuten zog die Story heute nach.
Nun, als nicht Reicher könnte mir das ja egal sein. Nur, ich glaube nicht, dass sich diese Versuche der Grossisten auf die Reichen fokussieren. Sondern dass nämlich dort Marge abgeschöpft wird, wo es unausweichlich ist für den Konsumenten. Denken wir etwa an Pumpers. Oder an Biogemüse oder andere unverzichtbare Produkte des täglichen Lebens.

Rabatte auf Grund von Kaufverhalten sind nicht nur unsozial, sondern im höchsten Mass auch kontraproduktiv. Wären sie flächendeckend nach einer Einkommensprogression abgestuft im Sinne von: wer wenig hat, dem wird gegeben und wer viel hat, der bazhlt den vollen Preis. Obwohl, und das ist das Kontraproduktive an der Sache: was ist der volle Preis?

Bisher durfte man davon ausgehen, dass wir bei den Grossisten zwar nicht wettbewerbsbereinigte Preise bezahlen, denn in einem Duopol gibt es ja diesen Wettbewerb nicht, sondern kalkulierte Preise. Bei Produkten des täglichen Bedarfs machte man uns jahrelang vor, dass die Margen extrem dünn sind, darum assortierte man die ursprünglichen Lebensmittelläden von COOP und MIGROS mit allerhand Produkten aus sämtlichen Bereichen des Lebens. Nur Autos gab es dort bisher nicht aus dem Gestell zu kaufen. Nun also geht man hin und analysiert unsere freiwillig abgegebenen Daten der Kundenkarten Supercard und Cumulus, um uns auszunehmen wie fette Gänse.

Dabei gäbe es doch den Ansatz des Predictive Pricings. Diese können auf Big Data aus dem Markt und der Kundendaten basieren. Die Idee ist es dabei, die Nachfragebewegungen vorauszusehen und entsprechend deren Entwicklung die Preise nach Angebot und Nachfrage anzupassen. Das würde zumindest der weit verbreiteten Marktgläubigkeit entsprechen. Das was man nun aber mit der individualisierten Preisbildung vormacht, kommt mir vor wie über den Tisch gezogen zu werden. Die Konsumenten sollten sich das nicht gefallen lassen. Und sie werden es sich nicht gefallen lassen, da bin ich mir sicher. Ein betriebswirtschaftliches Fiasko ist also aufgelegt.

Nachtrag vom 25. Oktober 2016:

20 Minuten zog die Story von gestern in den zweiten Tag und befragte ihre Leser darüber was diese von Individual Pricing halten. Wenig erstaunlich, dass sich die Begeisterung in Grenzen hält. Dafür umso mehr, dass die Befragten ganz offensichtlich die Beteuerungen der MIGROS nicht glauben, nämlich dass diese Art der Preisfindung zu Gunsten der Konsumenten ausfällt und nicht der MIGROS selber. Aus betriebswirtschaftlich kurzfristiger Sicht würde es auch keinen Sinn machen, auf diese Weise die Preise zu senken. Denn Preissenkungen machen nur dann wirklich Sinn, wenn sie von der Kundschaft ganz generell zur Kenntnis genommen werden. Dass verdeckte, individualisierte Preissenkungen der Kundenbindung zu dienen könnten, ist genauso widerlegt. Der preissensitive Kunde lässt sich nicht ködern, er schaut sich beständig nach dem günstigsten Preis um. Es gilt die alte Binsenweisheit nach wie vor, dass Rabatte die Hauptursache für Konkurse sind und Umsatz alleine nur der Beschleuniger dazu. 

Dienstag, 18. Oktober 2016

Mobile Payment - setzt sich 2017 durch?

ITReseller berichtet, dass immer noch über 60 Prozent des alltäglichen Konsums in der Schweiz mit Bargeld bezahlt. 1990 lag dieser Wert bei 90 Prozent, wie die Erhebungen der Schweizer Nationalbank (SNB) zeigen. Rund 10 Prozent aller Bezahlungen werden mit der Kreditkarte und die restlichen gut 30 Prozent mit Debit-Karten getätigt. Aber auch die durchschnittlichen Transaktionsvolumina von Kredit- und Debit-­Karten in der Schweiz haben in den letzten zehn Jahren kontinuierlich abgenommen. So lag das durchschnittliche Transaktionsvolumen 2005 bei 186 Franken für inländische Kreditkarten und bei 83 Franken für Debit-Karten. 2014 sank dieser Wert auf 118 Franken für Kreditkarten und auf 69 Franken für Debit-Karten. Gleichzeitig hat die Anzahl der Transaktionen aber signifikant zugenommen, wie die Studie der SNB zeigt. Dadurch sind auch die Transaktionskosten für Händler gestiegen, während die Bequemlichkeit für den Konsumenten, etwa über die Möglichkeit des kontaktlosen Bezahlens, an Bedeutung gewonnen hat. 


Nun aber ist der Wettbewerb lanciert. Mit Apple Pay und Samsung Pay sind zwei ausländische Branchen fremde Wettbewerber in den Schweizer Markt eingetreten. Und mit dem zukünftigen Twint, das 2017 neu als Fusionsprodukt der Postfinance mit den Schweizer Banken lanciert wird, steht ein heimischer Anbieter von bargeldlosem, Smartphone basierter Zahlungsverkehr am Start.

Einer der drei Anbieter von Apple Pay ist die Bonuscard.ch AG. 
Bonuscard ist eine Anbieterin von Kredit- und Prepaidkarten, seit 50 Jahren im Markt. Sie beschäftigt 140 Mitarbeitende. Die Firma gehört zur Cornèr Bank Gruppe und wird selbstständig mit eigenem Geschäftsmodell geführt.

In einem eigenen Mobile Payment Barometer lässt uns die Firma an der Entwicklung des Zahlungsverkehrs in der Schweiz mit Apple Pay teilhaben.
Danach werden 94% aller Apple-Pay-Transaktionen in der Deutschschweiz vorgenommen. Im Tessin sind es bloss 1% und in der Westschweiz 5%. Die Wert sind nicht repräsentativ, weil wir die Verteilung der Bonuscard in der ganzen Schweiz nicht kennen. Vermutlich entspricht die Marktdurchdringung den festgestellten Werten. So sollen 55% der Apple-Pay-Transaktionen bei Bonuscard im Raum Zürich erfolgen. Gemäss dieser Betrachtung nutzen vor allem Männer Mobile Payment mit einem Anteil von 67%. Wieviele Nutzer es gesamthaft sind, verrät uns dieses Barometer nicht. Es sollen einige Tausend sein. Bei zweistelligen Neuregistrierungen. 
Apple Pay wird derzeit vor allem in Lebensmittelläden eingesetzt. Mit 65% steht dieser Wert 25% Transaktionen in Restaurants gegenüber. 6% fallen auf Tankstellen und 4% auf Warenhäuser. Bezahlt werden beträgt zwischen 10 und 50 Franken.

Eine Erfolgsgeschichte ist somit Apple Pay nicht gerade. Aber immerhin darf man davon ausgehen, dass bereits eine fünfstellige Zahl an mit iPhone Zahlenden ausgegangen werden kann. Schon nicht schlecht, bedenkt man die kurze Zeit in der das technisch wirklich möglich ist. Immerhin dauerte das Vorgeplänkel für Mobile Payment sicher schon mehr als 20 Jahre...







Freitag, 14. Oktober 2016

eShopping löst offensichtlich Einkaufstourismus ab

Heute gab die Post bekannt, dass sie täglich 20'000 Luftpolstercouverts und Kleinpakete aus China abwickelt. (Siehe Artikel im Der Bund.) Trotz der krassen Menge ist das kein Geschäft für die Post, weil sie von der chinesischen Post keine ausreichende Kostendeckung erhalten hat. Das soll sich nun ändern.

Bereits im Januar 2016 berichtete 20 Minuten, dass die Post bei den chinesischen Päckli die Kosten nicht decken kann. Ab Grenze bis zum Empfänger der Sendung zahlt die Post die Zeche, resp. wir alle, die nicht in China einkaufen und der Post eklatante Gebühren zahlen müssen. Im Juni zieht der Tagesanzeiger die Geschichte nach und weiss von einer Verachtfachung des Geschäftsvolumens seit 2012 und anhaltendem Wachstumsraten von gegen 50% zu berichten.

Grafik: Six Group (Handelszeitung)
Auch in dieser Woche berichtete die Handelszeitung, dass der grenznahe Einkaufstourismus nach Deutschland offenbar rückläufig ist. Das zeigt nebenstehende Grafik der Six Group, die die Umsätze mit der Maestrokarten ausgewertet hat.

Die Schweizer Zollverwaltung bestätigt, dass die Mehrwertsteuerzahlungen der Schweizer Einkaufstouristen zwischen 3,4% bis 8,2% (Bei Konstanz) sanken.

Man könnte nun davon ausgehen, dass sich die Schweizer Konsumenten eines besseren Besinnen und sich wieder im Hochpreisland Schweiz mit Waren versorgen.

Nun scheint es aber eine Korrelation zu geben zwischen dem Rückgang bei der Grenzüberschreitung und dem Ansteigen der Einkäufe in China. Dabei sind die chinesischen Lieferanten mit Sicherheit die preisgünstigsten, doch darf man alle anderen Herkunftsländer wie Deutschland, UK (mit einem floatenden Pfund-Kurs seit dem Brexit) und den USA nicht vergessen. Vermutlich versorgen sich die Westschweizer nicht weniger in Frankreich und die Tessiner nicht minder in Italien.


Man kann davon ausgehen, dass das Online-Shoppen definitiv in der Mitte der Schweizer Gesellschaft angekommen ist. Mehr und mehr entwickeln die Konsumenten auch ein preisbewusstes Recherchieren nach den billigsten Preisen. Schade, dass das die Schweizer Online-Anbieter noch nicht akzeptieren wollen. 

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Samsung vs. Apple?

Bild: Reuters
Galaxy Note 7 ist ein Desaster für Samsung. 2.5 Mio. dieses Produktes musste Samsung zurückrufen. Ein Schaden von über 1 Mia- $ soll Samsung damit entstanden sein.
Den Imageschaden kann man kaum bemessen.


Wie kann so etwas geschehen?

Man konnte lesen, dass Samsung zu früh auf den Markt kam, um Apple zu schlagen, deren iPhone 7 schon angekündigt war. Dabei hätte Samsung gewusst, dass die Schale in der neben Rechner, Screen eben auch die sich nun entzündende Batterie befindet, zu klein war. Dass so die Batterie gepresst wurde und darum zu heiss werde. Kam dann noch dazu, dass das Ersatzgerät ebenfalls zu brennen begann. Wirklich ein Desaster dieser bei genauer Betrachtung völlig unsinnige Wettbewerb.

Unsinnig deshalb, weil sich Samsung auf der völlig falschen Ebene mit Apple misst. So wie viele Konsumenten auch, hat Samsung die Strategie von Apple nicht verstanden. Dabei wurde die in aller Deutlichkeit von Tim Cook vor zwei Jahren (?) an einer seiner Keynotes offenbart. Apple erschliesst sich mit iPhone und Apple Watch den Medizinalmarkt. Einer der heikelsten Märkte überhaupt, der neben der Lebensmittelbranche am strengsten reguliert und kontrolliert wird. Wer sich hier Know How erarbeitet, dem öffnet sich ein beständiger Milliardenmarkt. Wegen und für Hardware? Auch. Wegen Apps? Auch. Aber vor allem geht es hier um die Herrschaft der Daten. Auch der Datenmarkt wird dereinst einer der reguliertesten sein. Heute ist er es noch nicht und darum tut der gut daran, der sich hier stark positioniert. Und das tut Apple. Und vermutlich auch Google. Nicht aber Samsung, die bloss Hardware produzieren und so ein willfähriger Partner von Google ist.

Apple muss Samsung die Kunden nicht neiden, denn es sind nicht die Kunden, die Apple braucht. Auch wenn es eine schiere Masse ist. Apple hat sich aufgemacht ein verlässlicher Partner der Gesundheitsbranche zu werden. Da geht es weniger um Masse als um Qualität. Qualität bei der Hardware. Klar! Qualität bei der Software. Selbstverständlich! Und Superqualität bei den Medizinal Apps. Existentiell!

Apple beherrscht dazu die Prozesse besser als Google. Hier zahlt sich der Wallet Garden von Apple mit iTunes erst noch aus. Nach all dem Profit den Apple schon daraus gezogen hat. Und es wird nun auch immer deutlicher, dass es wertschöpfungsmässig entscheidend ist, die ganze Wertschöpfungskette zu kontrollieren. Anders ist den Anforderungen des Gesundheitsmarktes nicht zu entsprechen.

Freitag, 7. Oktober 2016

«Wir wollen unser Baby wach, intelligent, ohne Bullshit»

Das sagt einer der bekanntesten und profiliertesten Journalisten des Tags-Anzeiger, Constantin Seibt, der per Ende Jahr seinen "sicheren" Arbeitsplatz aufgibt und gemeinsam mit anderen ein neues Journalismus orientiertes Medium aufbauen will und somit ins Risiko geht.


Constantin Seibt
(Bild: Tagesanzeiger.ch)
Gestern kamen erste, vermutlich gezielte Gerüchte auf. Dies im Zusammenhang mit der bekannt gewordenen Kündigung von Seibt beim Tages-Anzeiger. Es wird auf die Webseite eines Projekt-R mit .construction als Domian Extension verwiesen. Neben knappen Infos und dem Hinweis auf eine angesagte Rebellion, kann man seine Mail-Adresse hinterlassen, um direkt aus dem Projekt heraus informiert zu werden.

Leider ergaben meine Recherchen keine Hinweise darauf, wer neben Seibt noch hinter dem Projekt steht. Die Seite wurde bei einem Pariser Host und Registrar platziert.(.construction - eine hübsche Idee, seine Spuren zu verschleiern. Ein Indiz, dass hier technisch und internetphilosophisch kompetente Leute am Werk sind.) 

Heute nun gibt Constantin Seibt der Kommunikations-Fachzeitschrift Persönlich ein etwas weiter führendes Interview. Viel verrät er nicht. Gerade soviel, dass die Neugier geweckt ist. Zumindest bei mir, einem an der Medienbranche interessierten Leser und politischen Menschen.

Ich spekuliere darauf, dass Seibt und seine Mitrebellen auf Solution Journalims setzen werden. Damit würden sie in der Schweiz einen völlig neuen Markt definieren. Das neue Medium könnte auf diese Weise eine Community aufbauen, die an mehr interessiert ist als bloss "Likes" zu verteilen. Mit Sicherheit auch ein spannender Ansatz für Werbeauftraggeber.

So wie sich das anlässt, fühlt es sich an wie beim Berliner Krautreporter. Auch dieses Projekt wurde von Journalisten motiviert.


Spannen wird sein zu beobachten, wie die bestehenden journalistischen Plattformen wie InfosperberJournal21 oder La Cité auf die neue Konkurrenz reagieren werden. Seibt meinte, er und seine Partner seien schon seit zwei Jahren mit ihrem Baby beschäftigt. Zeit genug also, mit allen zu reden und Schnittstellen zu identifizieren. Wer weiss, ob die älteren Semester mit Seibt & Co. kooperieren. Gescheit wäre es im Sinne des Gesamtmarktes sicher.

Dienstag, 4. Oktober 2016

Lifestyle Drinks - Cider und sein Digitale Vermarktung, eine Fallstudie

Redbull kann als Vorbild gelten, wie man aus Zuckerwasser und einigen unbekannten Aromastoffen, und ein paar wilden Gerüchten ein unglaubliches Geschäft machen kann. Mit etwas gutem Willen sind die Gerüchte als Storytelling zu identifizieren, mit etwas bösem Willen waren es ein paar groteske Lügen. Taurin sei das Wundermittel, das aus Redbull mehr macht als nur Zuckerwasser. Ein paar übertüchtigte Beamte glaubten und setzten das Wasser auf die Sperrliste und verboten Redbull. Von da an war es geschehen. Redbull setzte zum Welterfolg an und der Erfinder Dietrich Mateschitz stieg vom einfachen Marketingleiter zum x-fachen Milliardär und reichsten Österreicher auf. Seine Leistung war ein Marketingkonzept, dass diese Bezeichnung wirklich verdient. Und: das man für Wasser jeden Preis verlangen kann, wenn man nur eine schillernde Geschichte rund herum baut und unterhält.

Die Getränkebranche hatte von Redbull zu lernen. Und sie lernte wie folgender Post aufzeigen sollte. Zum Beispiel die Bierbrauer. Vielleicht ist es etwas verwegen zu behaupten, Mateschitz hätte Generationen von Jugendlichen das Biertrinken ausgetrieben. Tatsache ist, dass der Bierkonsum empfindlich nachgelassen hat und seine seltenen Höhepunkt bloss noch an Events wie das Oktoberfest feiern kann. Ansonsten greifen die durstigen Kehlen nach Lifestyle Drinks. Kein Tag, an dem nicht ein neues Gesöff das Licht der Welt erblickt. In der Regel immer dasselbe: Wasser und reichlich Zucker, um den Stoffwechsel der Konsumenten zu boosten.


Einen neuen Höhepunkt erreicht gerade die MIGROS gemeinsam mit dem Getränkeproduzent Rauch, resp. Carpediem und einem Grüntee für den man für einen Liter 3.40 hinblättern muss. oder für ein Sixpack à 1.5 Liter sage und schreibe 30.60 Schweizer Franken. Rauch ist im übrigen einer der wichtigsten Redbull Prouzenten. Er operiert in Österreich und im Schweizerischen Rheintal.

Man achte auf auf die Botschaften auf diesem Inserat, erschienen im MIGROS Magazin vom 3. Oktober 2016.

Zum Vergleich: 6x1.5 l Coca Cola kosten bei Coop @home gerade mal 11.70 CHF, was bei Zuckerwasser ja auch nicht gerade billig ist.

Bei Redbull bezahlt man auch bei Coop @home 6.01 pro Liter oder für 6 Liter 40.80 CHF.

Für einen Liter Somersby bezahlt man bei COOP für einen Liter in der Glasflasche 6.78 CHF. Da hat es aber im Gegensatz zu den Softdrinks immerhin noch etwas Alkohol in der Flasche.
Und damit sind wir beim eigentlichen Thema dieses Posts.


Somersby als Cider ist eine Antwort des Bierbrauers Carlsberg. Während Heineken mit Strongbow auf Carlsberg reagiert.


Heineken geht den leichteren und vermutlich kostengünstigeren Weg der Me-too-Strategie. Statt wie Carlsberg auf eine aufwändige Geschichte zu setzen, die über die Sozialen Medien verbreitet wird und so versucht einen Kult mit einer Community zu etablieren, drückt Heineken völlig emotionslos ihren Cider Strongbow in die Vertriebskanäle wie der Artikel, erschienen bei Gastro Suisse, belegt.

Der Liter Strongbow kostet übrigens 5.68 CHF. Damit erfüllt Heineken auch hier das Kriterium der Me-too-Strategie.

Somersby hat im Vergleich mit allen anderen Lifestyle Drinks den wohl originellsten und potentesten Ansatz gewählt wie nachfolgende Prezi-Präsentation zeigt. Viele andere Versuchen mit viel Fantasie in allen möglichen Varianten Lifestyle zu produzieren, vermögen aber vielleicht mit Skandalierung, wie der folgende Zeitungsartikel in der Limmatthaler Zeitung zeigt, um Aufmerksamkeit zu buhlen. Weil offenbar der Bund seine Pflicht tut und nachkontrolliert, ob ein Cider wirklich ein Sider ist oder doch eher ein alkoholisches Getränk mit mehr als 15% Alkohol auf einen Liter, vermutet ein Importeur eine Verschwörungstherorie, die dankbar als Sommerschank in die Zeitung aufgenommen wird.








Somersby ist Kult und kann es sich inzwischen leisten in einer neuen Variante Apple zu verappeln wie in folgenden Video:



Aber schauen wir uns einmal genauer an, wie Carlsberg Somersby aufgebaut hat und wegen der Art und Weise noch viele Sommersaisons die Kehlen erfrischen wird, währen die meisten Lifestyle Getränke wieder verschwunden sind.

  



Lifestyle Drinks werden sehr gerne auch über eShops vertrieben. Hier das Beispiel, wie ein Cider-Sortiment angeboten wird.




  

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